Von Algaida über Sineu
bis Binissalem: Im Zentrum der Insel regiert das "andere Mallorca",
wie Individualisten die ursprünglichen Regionen jenseits der touristischen
Hochburgen nennen. Weinberge, Windmühlen, Felder, idyllische Dörfer,
hausgemachte Schlemmereien, traditionelles Handwerk: Hier unsere Top Ten
für Mallorcas Herz...
1) Durch blühende
Wiesen radeln
Die gemütlichsten Radrouten führen über die fruchtbare
Hochebene im Zentrum der Insel (Es Pla). Um Algaida, Campos, Montuiri,
Porreres und Petra gibt es schöne, nahezu steigungsfreie Feldwege.
Genussradler oder -wanderer können hier ganz entspannt Land und Leute
kennen lernen. Zur Siesta locken kleine Fincas oder Bauernhöfe mit
hausgemachten mallorquinischen Köstlichkeiten. Herrlich ist auch
ein Picknick auf einer der vielen satten grünen Wiesen - zwischen
Klatschmohn und Margariten sitzen und den Duft von Jasmin und Aprikosenblüten
genießen...
2) Auf romantischen
Fincas wohnen
Verwinkelte historische Bauernhöfe aus mallorquinischem Naturstein,
liebevoll und individuell restauriert: Diese Idylle jenseits der abgetretenen
Touristenpfade verzaubert! Besonders gestresste Städter wissen die
meditative Ruhe auf dem mallorquinischen Land zu schätzen. Das Geläut
von Schfsglöckchen, das Zirpen der Zikaden und die Gesänge der
Nachtigall bilden die einzige Geräuschkulisse.
3) Ausgezeichnete
Weine verkosten
Die Route Binissalem, Consell, Santa Maria del Camí, Santa Eugènia
und Sencelles gilt schon als "mallorquinische Weinstraße".
Binissalems Winzer haben sich in den letzten Jahren mit ausgezeichneten
Rotweinen, Rosés, Weißweinen und Schaumweinen international
einen Namen gemacht. Markenzeichen: Es werden hauptsächlich die ursprünglich
mallorquinischen Rebsorten Manto Negro und Moll angebaut. Die Rotweine
haben einen recht hohen Alkohol-Gehalt und eine starke Persönlichkeit.
Sie sind körperreich, harmonisch und eignen sich zur Alterung. Die
Weißweine werden als differenziert, delikat und fruchtig charakterisiert.
Tipp für die Reisevorbereitung: Eine virtuelle Führung bietet
die Bodega Macia Batle (www.maciabatle.com).
Adressen der wichtigsten Weingüter findet man auf der Homepage des
Regulierungsrates (www.binissalemdo.com).
4) In urigen Herbergen
schlemmen
Dank der zahlreichen guten Lokale an ihrem Wegrand trägt die C-715
in der Gegend um Algaida den Kosenamen "Fressstraße".
Besonders geschätzt wird das
"S`Hostal d`Algaida" - Restaurantbetrieb und Verkauf von Gourmet-Produkten
aus eigener Herstellung (C-715, km 21, Tel.: 971-66 51 09, täglich
geöffnet und recht günstig). Heißer Tipp für Barbecue-Fans:
das "Ca`l Dimoni" gleich in der Nachbarschaft. Es gibt mallorquinische
Fleischgerichte vom offenen Grill - beispielsweise Lammkoteletts mit gerösteten
Knoblauchzehen und pikant angemachtem Wirsing (C-715, km 21, Tel.: 971-66
50 35, Mi geschlossen). Berühmt sind auch die "Cellers"
(Kellerrestaurants) von Inca (z.B. "Celler Can Amer", C/. Pau
39, Tel.: 971-50 12 61).
5) Auf malerischen
Placas relaxen
Einfach den gewundenen Landstraßen folgen! Am
Wegrand liegen Dörfer und Städtchen mit Kirchen aus Sandstein
und Häusern mit grünen Fensterläden. Jedes noch so kleine
Örtchen hat eine hübsche "Plaza Mayor" (Hauptplatz)
mit Open-Air-Café oder Bar. Wer hier ein wenig verweilt, bekommt
ein Gefühl für das charmante Eigenleben der Mallorquiner jenseits
des Tourismus. Unbedingt auch ein wenig durch die engen, liebevoll mit
Blumen dekorierten Gässchen flanieren!
6) Sineus Marktspektakel
erleben Seit über 700 Jahren versteht man jeden Mittwoch ab acht Uhr
morgens auf Sineus "Placa Espanya" sein eigenes Wort nicht mehr
- vor lauter Gackern, Gurren, Krähen, Quaken und Zwitschern. Wer
dazu noch ein Blöken, Muhen und Wiehern hören möchte, sollte
früh kommen. Denn der Handel mit Pferden, Eseln und Kühen ist
schnell vorüber. Danach schlürfen die Bauern in den Kellerrestaurants
ihre "sopes mallorquines", und hunderte von Federviechern übernehmen
das alleinige Regiment. Akustisch stehen die Verkäufer ihrer schnatternden
Ware übrigens in nichts nach. Kinder finden es auf dem verrückten
Markt fast so schön wie im Streichelzoo: Freundliche Händler
reichen ihnen Salatblätter, um Hühner, Tauben oder Enten zu
füttern. Erwachsene sind damit beschäftigt, lauter kuriose Schnappschüsse
einzufangen. Neben Animalischem gibt's in den engen Gassen rund um die
Kirche auch alles andere - zum Beispiel Obst, Gemüse, Tischdecken,
Nachthemden, Dessous, Holzschnitzereien, Keramik, Körbe... Kunstkenner
machen am Nachmittag einen Abstecher in die moderne Galerie "S`Estació"
im alten, stillgelegten Bahnhof von Sineu.
7) Hochwertige
Insel-Produkte einkaufen
Die Fabrik-Outlets der Leder-Metropole Inca sind ein Eldorado für
Schnäppchenjäger! Höchste Qualität bieten zum Beispiel
die mallorquinischen Schuhmanufakturen "Lottusse" (an der Hauptstraße,
Av. del Raiguer, 2) und "Barrats 1890" (Av. del General Luque,
480). Fans der Kult-Schuhmarke "Camper" finden im "Re-Camper
Shop" Prototypen, Ausstellungsstücke und Auslaufmodelle (Nähe
Placa 1er de maig). Handgefertigte Produkte aus Olivenholz gibt`s kurz
vor dem Ortseingang Manacor bei "oliv-art" (Ctra. Palma-Manacor,
km 47). In Manacor befindet sich auch Mallorcas bekannteste Kunstperlen-Fabrik
"Perlas Majórica" (Av. Majórica, 48). Auf der
Landstraße C-715 bei Algaida residiert die älteste Glashütte
der Insel "Gordiola". Vor den Augen zahlreicher Zuschauer verwandeln
Glasbläser glühende Klumpen in bunte Pferdchen, Kerzenleuchter
oder Schalen. Erstklassige mallorquinische Liköre wie Hierbas, Palo
oder Mesclat brennt die kleine Familien-Destillerie F. Vidal Catany in
Llucmajor (C/. San Francisco s/n). Die schönsten Ton-Waren gibt'
s in Pòrtol, wo
heute noch acht Töpferei-Kleinbetriebe bestehen. Im angrenzenden
Örtchen Sa Cabaneta werden aus weißem Lehm die inseltypischen
"Siurell"-Figürchen modelliert. Die begehrten mallorquinischen
Deko-Stoffe mit Zungenmuster (robes de llengo) fertigt der kleine Handwerksbetrieb
"Artesanía Textil Bujosa" in Santa Maria del Camí
auf fünf mechanischen Webstühlen (C/. Bernardo de Santa Eugenia
53).
8) Zu himmlischen
Klöstern pilgern
Hinter hohen Mauern verborgen, liegt das ehemalige Minoritenkloster "Convento
de los Mínimos" an der Hauptstraße von Santa María
del Camí. Markenzeichen: der wildromantische Garten. Die grüne
Oase mitten im Ortszentrum ist der ideale Ort, um dem Alltag zu entsagen
und die Seele baumeln zu lassen. Gleich drei Klöster beherbergt der
Randa-Berg "Puig de Cura". In einer engen Kurve liegt die Einfahrt
zum ersten Kloster "Nostra Senyora de Gràcia", 1440 von
einem Franziskanermönch gegründet. Nur einen Kilometer weiter
bergauf zeigt sich schon das nächste Kloster "Sant Honorat"
- leider nur von außen, denn auch heute noch leben die Ordensbrüder
der Kongregation der Heiligen Herzen, seit 1890 die Hausherren, in strenger
Klausur. Kein Besucherempfang! Doch müde Pilger finden bereits ein
paar Kehren weiter Zuflucht: In atemberaubender Höhe liegt das Kloster
"Nostra Senyora de Cura"- fast wie das Tor zum Himmel (Infos
unter www.mallorcaweb.net/santdecura).
Die Geschichte des Klosters ist unzertrennlich mit dem Namen Ramón
Llull verbunden. Der legendäre Franziskaner aus dem Mittelalter (1235-1316)
verbrachte hier zehn produktive Jahre: Er lernte Arabisch, erfand die
katalanische Schriftsprache und eine sogenannte Denkmaschine - für
viele Informatiker der Urahn des Computers (Llull-Museum besichtigen!).
Eine kleine Pilgerreise wert ist auch das Kloster "Monti-Sion"
bei Porreres. Die Straße zum Kloster hinauf ist gesäumt von
interessanten Ruinen: Die Säulenpaare aus dem Jahr 1497 stellen die
sieben Freuden und die sieben Leiden dar. Von der Spitze des Hügels
Monti-Sion hat man einen Bilderbuchblick ins Tal.
9) Durch die Zeit
reisen
In den Landsitz "Els Calderers de Sant Joan" (Ctra. Palma-Manacor,
km 37) könnten die ehemaligen Gutsherren jederzeit wieder einziehen.
Alles sieht noch fast genauso aus wie zu ihren Lebzeiten vor rund 200
Jahren: von den vornehm eingerichteten Zimmern über die Werkstätten
bis hin zur Viehzucht und Landwirtschaft ( www.todoesp.es/els-calderers
). Wer einen lebhaften Eindruck vom mittelalterlichen Mallorca bekommen
möchte, fährt ins kleine Städtchen Petra mit seinen sandfarbenen
Häusern und schmalen Sträßchen. Übrigens wurde hier
Fra Junípero Serra geboren, Gründer von neun Missionsstationen
in Kalifornien (Geburtshaus und Museum von Serra in der C/. Barracar Alt,
6-8).
10) Nostalgische
Windmühlen bewundern Besonders viele "Molins" sieht man in der Gegend um Sa Pobla
und Algaida. Die hübschen blau- oder grün-weißen Metall-Lamellen
zieren Mallorcas Windmühlen erst seit den 1930er Jahren. In den 1950er
Jahren haben zahlreiche Landwirte ihre Windräder durch Elektro- und
Dieselpumpen ersetzt, dabei können Windräder bei jeder Umdrehung
pro Minute 480 Liter Wasser heraufpumpen. Seit 1970 stehen fast alle Windräder
still. Für ihren Erhalt als Wahrzeichen engagierten sich zuerst Privatleute,
mittlerweile hat sich auch der Inselrat den "Molins" angenommen
und subventioniert die Arbeitskosten der Restaurierung (Fotos und Infos
unter www.conselldemallorca.net/fodesma/molins
).