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gute Vorsätze 2018

Gute Vorsätze 2018

Von Verena Gemmel

Weniger Alkohol trinken, regelmäßig joggen, eine Diät durchziehen, endlich mit dem Rauchen aufhören: Gute Vorsätze fürs neue Jahr klingen meistens megastressig. Wir schlagen Ihnen zur Abwechslung mal ganz entspannte Ziele für 2018 vor. Gute Vorsätze, die Ihr Leben vielleicht ein kleines bisschen glücklicher und bunter machen - abgeschaut von den Bewohnern unserer Lieblingsinsel Mallorca.

GLÜCKSBRINGER 1 # Siesta genießen


In mediterranen Breitengraden kann man als Workaholic kaum punkten. Arbeit ist nicht das Wichtigste im Leben, Muße hat mindestens einen genauso hohen Stellenwert. Natürlich wird kaum ein Chef in unseren nördlichen Breitengraden eine zweistündige Siesta akzeptieren. Aber alle zwei Stunden wenigstens mal fünf Minuten lang einfach nur dösen wirkt schon wahre Wunder. Träumen Sie sich an einen schönen Strand. Besser noch: Denken Sie an gar nichts. Wenn das noch nicht klappt, denken Sie nur an Ihren Atem wie er ein- und ausströmt. Für die Zeit nach Dienstschluss haben wir Deutschen ein schönes Wort: Feierabend. Überlegen Sie ganz bewusst, wie Sie Ihren Abend feiern möchten. Mit einem schönen Buch? In der Badewanne? Mit einem Spaziergang? Von Familienessen über zweisame Stunden bis hin zu lustigen Treffen mit Freunden ist sehr viel denkbar. Achten Sie darauf, ob die jeweilige Aktivität ihre Batterien auflädt oder ein Energiefresser ist. Tipp: Schöne Fernsehabende mit bewusster Programmwahl können gut tun, doch täglich wahllos zappen raubt Energie. Nein, Sie sind da keine Ausnahme, es ist wissenschaftlich nachgewiesen! Wer Anspannung und Entspannung in ein gesundes Gleichgewicht zu bringen weiß, verfolgt auch ganz stressfrei die klassischen Neujahrs-Vorsätze: Er muss Alkohol nicht als Betäubungsmittel einsetzen, vermeidet nervöses Rauchen und verzichtet auf Frustschokolade.

GLÜCKSBRINGER 2 # Frisch und lecker essen

Bevor die Touristen nach Mallorca kamen, widmeten sich die meisten Insulaner der Landwirtschaft. Eine frisch gekochte Mahlzeit im Kreise der Familie zu verzehren war Highlight des Tages. Noch heute wissen die Mallorquiner erntefrische Produkte von der Finca ihres Vertrauens sehr zu schätzen. Die vielen gut besuchten Bauernmärkte auf der Insel zeugen von der Wertschätzung regionaler Köstlichkeiten. Wilden Spargel oder Pilze sammeln ist eine beliebte Freizeitaktivität. Viele Insulaner besitzen sogar ein Stück Land (patrimonio) und bauen selbst Obst und Gemüse an. Auch die Schweine- oder Hühnerzucht für den eigenen Bedarf ist kein seltenes Hobby. Das gemeinsame Essen wird zelebriert. Die Tischgespräche drehen sich oft um das Essen selbst: von der Herkunft der Produkte bis hin zur Zubereitung. Tipps und Tricks werden ausgetauscht, der gute Geschmack wird im wahrsten Sinne des Wortes ausgekostet. Essen unbewusst verschlingen, während sich die Gedanken um ganz andere Themen drehen, würde auf Mallorca als Beleidigung für die Köchin aufgefasst. Genussfeindlich und töricht! Ein gesundes selbst gekochtes Essen mit regionalen Saison-Produkten hält dagegen Leib und Seele zusammen. Betrachten Sie das Kochen nicht als lästige Routine, sondern machen Sie daraus ein Event! Die ganze Familie kann mithelfen. Lustig ist auch ein Koch-Abend mit Freunden. Und wenn Sie schon einmal dabei sind, kochen Sie einfach eine größere Menge, die für zwei Tage reicht.

GLÜCKSBRINGER 3 # Zusammen halten

Der Mallorquiner ist ein Gemeinschaftswesen. Ein Leben ohne seine Großfamilie, gute Freunde und Nachbarn wäre für ihn nicht lebenswert. Man interessiert sich füreinander, unterstützt sich und feiert möglichst oft zusammen. Wie originell und unkompliziert man ein ganzes Dorf an einen Tisch bekommen kann, lässt sich im kleinen Wein-Örtchen Binissalem bestaunen. Einmal im Jahr treffen sich alle Bewohner zu einem gemeinsamen Abendessen im Freien (sopar a la fresca). Alle Bewohner stellen Tische und Stühle raus und formen das Mobiliar zur wahrscheinlich längsten Tafel der Welt, die sich durch die Gassen des Ortes zieht. Bis in die frühen Morgenstunden dauert das bunte Treiben. Vielleicht eine Inspiration für Ihre eigene Straße oder Siedlung? Jeder bringt einfach Campingtisch, Stühle, sowie Speis und Trank selbst mit und dockt sich nach dem Domino-Prinzip an. Die mitgebrachten Spezialitäten werden untereinander getauscht. Bon profit, guten Appetit!

GLÜCKSBRINGER 4 # Generationen vereinen

Wenn auf Mallorcas Plätzen gefeiert wird, tanzt alles mit, was schon oder gerade noch auf den Beinen stehen kann. Bei den vielen traditionellen Fiestas gibt es keine Altersgrenzen. Nirgendwo werden Kinder als lästig empfunden. Wenn Eltern beispielsweise mit ihrem Nachwuchs ein Restaurant besuchen, können sie in aller Regel ganz entspannt speisen. Andere Gäste oder die Kellner fühlen sich von den kleinen Besuchern nicht gestört, sondern beschäftigen sich gern mit ihnen. "Nins“ werden von der mallorquinischen Gesellschaft geliebt. Auch ältere Menschen haben einen hohen Stellenwert. Ganz selbstverständlich stehen im Bus jüngere Menschen auf und geben ihren Sitzplatz frei, wenn Senioren zusteigen. Gerne trägt man auch mal eine Tasche oder bietet seinen Arm als Stütze an, wenn Treppen oder andere Hindernisse den Weg erschweren. In deutschen Landen dagegen ist es leider nicht so selbstverständlich, auf das Wohl seiner Mitmenschen zu achten. Wäre es nicht ein guter Vorsatz fürs neue Jahr, seine Wahrnehmung für die Bedürfnisse anderer im öffentlichen Leben etwas zu trainieren? Ein schönes Miteinander tut doch allen gut.

GLÜCKSBRINGER 5 # Zünftig feiern

Die Mallorquiner lieben nicht nur ihre Kinder, sie können sich auch freuen wie die Kinder. Besuchen Sie mal die muntere Schlacht zwischen Piraten und Christen in Pollenca, Andratx oder Port de Sóller. Erwachsene Männer dürfen sich wie wilde Kerle balgen und nach Herzenslust schreien. Auch bei der wüsten Traubenschlacht in Binissalem wälzen sich alle mit großer Freude im süßen Matsch. Auf der ganzen Insel werden originelle Wettbewerbe für Groß und Klein veranstaltet, man verkleidet sich mit Hingabe und tanzt bis zum Umfallen. So eine Gaudi tut jedem gut. Einfach mal den Kopf ausschalten und den Ernst der Erwachsenenwelt für einige Stunden oder Tage vergessen. Lachen, toben und nur im Augenblick leben ist ein wahrer Jungbrunnen - und eine hervorragende Präventionsmaßnahme gegen Depression und Burnout.

GLÜCKSBRINGER 6 # Seine Heimat lieben

Zu Hause ist es am schönsten. Da sind sich alle Mallorquiner einig. Zwar reisen sie gern durch die Weltgeschichte, doch um nichts in der Welt würden sie mit anderen Völkern tauschen wollen. Viele Deutsche fiebern dagegen das ganze Jahr über ihren paar Wöchelchen Urlaub entgegen, statt mehr Genuss-Inseln in ihren Alltag einzubauen. Ob das hierzulande wirklich nur am Manko von Sommer, Sonne, Strand und Meer liegt? Die typischen Rheinländer, denen ja ein mediterranes Lebensgefühl nachgesagt wird, widerlegen entschieden diese These. Sie tragen ihren Sonnenschein einfach im Herzen. Und wenn Kölner einmal ihre schöne Domstadt verlassen müssen, haben sie auch kein Problem. Denn sie praktizieren eine besondere Spielart des mentalen Lokalpatriotismus. In einem Liedtext der bekannten Kölschrock-Band "Höhner" heißt es: „"Wo mir sin is Kölle“. Lebensfreude in sich zu tragen ist die beste Glücks-Garantie. Wenn Sie noch keine Erfahrung damit haben, probieren Sie`s im neuen Jahr unbedingt aus. Übung macht den Meister!

GLÜCKSBRINGER 7 # Entspannt leben

"Caps quadrats“ nennen die Mallorquiner die Deutschen. Wörtlich übersetzt "Quadratköpfe“. Gemeint sind sture und arrogante Regelbefolger. Dabei bewundern die Mallorquiner deutsche Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Disziplin. Aber nur, wenn diese Tugenden nicht in lebensfeindlichen Perfektionismus ausarten oder zum Selbstzweck werden. Das Leben im Hier und Jetzt darf nicht von der starren Verfolgung zukünftiger Ziele überschattet werden. Eile ist etwas sehr Unelegantes, das man auf Mallorca einfach nicht hat. Warum die Gegenwart nicht in vollen Zügen genießen? Die Zukunft lässt sich ohnehin nicht nach unseren Wünschen planen und beherrschen. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Diese Gleichmut drücken die Mallorquiner mit der Vokabel "tanmateix“ aus. "Que será, será...“ Alles geht irgendwann vorüber oder wird sich von selbst erledigen. Deshalb sollte man nichts allzu ernst und wichtig nehmen.

Foto: Ingram



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