Samstag, 11:00 Uhr, Toledo: Groß und erhaben ankert es in
einem Meer von Touristen: das berühmte Stadttor, die "Puerta
de Bisagra". Klein komme ich mir vor, wenn ich den steinernen Adler
betrachte, der als Wappen gebieterisch die Fassade ziert. Aber so muss
es ja auch sein. Das Tor wurde schließlich zum Empfang Karls des
Großen gebaut. Eine mittelalterliche Festung, die siegessicher auf
ihre Feinde wartet. 11:15 Uhr, Granada: "Dies ist der Patio
de los Arraynes oder auch Myrtenhof genannt, einer der berühmtesten
Innenhöfe der Alhambra", höre ich einen Fremdenführer
fast akzentfrei aufsagen. Irgendwie beneidenswert, denke ich mir. Wie
oft er wohl an diesem paradiesischen Ort herumschweifen darf? Weltkulturerbe
live! Schlanke Marmorsäulen, filigrane Ornamente, raffinierte Wasserspiele
- willkommen im Morgenland. 11:30 Uhr, Córdoba: Auf der
Plaza de los Capuchinos lasse ich mich in einen der Korbsessel fallen.
"Un café con leche, por favor". Fasziniert blicke ich
auf ein hohes Holzkreuz, umringt von nostalgischen, dornenbesetzten Laternen.
Wären da nicht die einladenden weiß getünchten Häuschen
und die warmen Sonnenstrahlen, würde er richtig unheimlich auf mich
wirken, der berühmte "Cristo de los faroles". Mystisches
Andalusien hautnah.