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Erdbeben Mallorca: Statement von Prof. Schreiber (Uni Duisburg)
Von Redaktion | 31.Januar 2010
Zum Erdbeben auf Mallorca am Samstag, 30.01.2010, haben wir Geologie-Professor Ulrich Schreiber (Autor des Buches “Die Flucht der Ameisen“) um ein Email-Interview gebeten. Lesen Sie hier seine Einschätzung …
Mallorca liegt nicht in einer der klassischen Bebenzonen, die sich an den Nahtstellen der Mikroplatten- und Plattengrenzen entlang ziehen. Beispiele hierfür sind bekannt in Italien, Türkei, Griechenland Nordafrika etc. .
Da sich aber Afrika und Europa als Großplatten auf einander zu oder vorbei bewegen, geraten die Mikroplatten im Mittelmeerraum wie in einem Kugellager zwischen die Fronten, werden eingeengt oder gedehnt. So ist z.B. Korsika und Sardinien auf einer kleinen Platte nach Osten gewandert, weg von der Iberischen Halbinsel. Bei diesen Prozessen entstehen auch in Gebieten, die lange ruhig waren, Spannungen, die sich sporadisch in Beben entladen können. Hierfür wäre das letzte Beben auf Mallorca ein Beispiel. Andererseits erleben wir es zurzeit in Deutschland auch, dass in den letzten Jahrzehnten neue Bebenzentren entstanden sind, weil sich die Spannungen in der Kruste durch die Großbewegungen insgesamt ändern. Es ist eine Frage der Zeit, bis wir wissen, ob das jetzige Beben auf Mallorca ein Einzelereignis war oder an den Anfang einer Reihe größerer Beben gehört. Aus der Historie ist eigentlich abzuleiten, dass bei gleichbleibenden Bedingungen kaum stärkere Beben auftreten sollten. Aber ganz ehrlich, es kann keiner wissen, ob es nicht anders kommt. Und es wird auch keinen noch so erfahrenen Geowissenschaftler geben, der eine sichere Aussage treffen kann. Dafür ist die Sache zu komplex.
Das Verhalten bei Erdbeben wird entscheidend dadurch geprägt, ob die betroffenen Personen die Situation bereits ein oder mehrmals in Gedanken durchgespielt haben. Wohin renne ich, wo fallen mir Sachen auf den Kopf, was mache ich im Gebäude, wenn ich nicht schnell genug nach draußen komme. Diese und andere Fragen sollte sich jeder für seine Situation vorher stellen. Dann ist der Überraschungseffekt wesentlich geringer, das Handeln zielstrebiger. Im Gebäude unter den Türstock stellen, nicht neben Einrichtungsgegenstände, die umfallen können, nicht unter Deckenverkleidungen/Leuchter etc.. Beim Sprung/Spurt ins Freie nach oben schauen, Glasscherben von Fenstern Dachziegel können herabfallen. Freie Flächen aufsuchen.
Mallorca-today.de bedankt sich bei Prof. Schreiber für die Einschätzung und die wertvollen Tipps.
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