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Schweinegrippe Mallorca: Interview mit Hofrat Dr. Christoph König, Landessanitätsdirektor Salzburg
Von Redaktion | 23.Juli 2009
“Behörden raten von Mallorca-Reisen ab” – zu lesen heute auf salzburg.orf.at . Wir haben ein Email-Interview mit Dr. Christoph König (Landessanitätsdirektor Salzburg) zum Thema Schweinegrippe (Influenza A/ H1N1) auf Mallorca geführt. Er ist ein in Fragen der Seuchenhygiene versierter Arzt.
Dr. Christoph König, Landessanitätsdirektor Salzburg: Ich habe zwar nicht dezidiert von Reisen nach Mallorca abgeraten, allerdings – über das Gesendete hinaus – Folgendes zu bedenken gegeben: Reisewarnungen werden international beinahe nie, in den meisten Fällen aber eindeutig zu spät gegeben.
Der Grund ist ein wirtschaftlicher, kein medizinischer. Mallorca ist angeblich derzeit u. a. wegen der Urlaubsaktion für arbeitslose Engländer (persönliche Mitteilung) erklärtes Reiseziel Nr. 1 der Briten. GB liegt mit 10.000 bestätigten H1N1 Fällen und einer Dunkelziffer von angeblich 85.000 noch dazu mit Spanien an der europäischen Spitze. Mallorcarückkehrer wurden und werden in Österreich und Deutschland immer wieder als Verdachtsfälle diagnostitziert und leider auch bestätigt (auch in Salzburg) und dann in Quarantäne genommen. Die Kooperation mit einzelnen Fluglinien gestaltet sich schwierig bis aussichtlos, da sie sich weigern, Passagierlisten heraus zu geben. Es ist eine Frage kritischer Betrachtungen, ob man sich derzeit dem Risiko einer Infektion, das gegenüber vielen Reisezielen erhöht zu sein scheint, aussetzen soll.
Mallorca-today.de: Wie hoch schätzen Sie das Ansteckungsrisiko ein?
Dr. Christoph König, Landessanitätsdirektor Salzburg: Man kann derzeit auf Mallorca Urlaub machen, muss aber bei normalem Urlaubsverhalten mit einer Infektion rechnen. Aus Sicht des für Seuchenbekämpfung Verantwortlichen kann ich derzeit einen solchen Urlaub nicht empfehlen.
Mallorca-today.de: Sind “Party-Urlauber” einer höheren Ansteckungsgefahr ausgesetzt?
Dr. Christoph König, Landessanitätsdirektor Salzburg: Partyurlauber sind, soweit sie mit den überdurchschnittlich durchseuchten Reisenden aus GB/Spanien,Belgien….. in Kontakt kommen, überdurchschnittlich gefährdet, an der Neuen Influenza zu erkranken, soweit der Mindestabstand von 1 m unterschritten wird (ECDC)
Mallorca-today.de: Was würden Sie Familien mit Kleinkindern, die Ihren Urlaub bereits gebucht haben, raten?
Dr. Christoph König, Landessanitätsdirektor Salzburg: Mit dem Reisebüro darüber zu verhandeln, ob die Buchung verschoben werden kann oder eine Ersatzbuchung in einer anderen, weniger von der NI betroffenen, Region möglich ist.
Mallorca-today.de: Wie sieht die Ansteckungsgefahr bei anderen Reisezielen aus?
Dr. Christoph König, Landessanitätsdirektor Salzburg: Laufend aktualisierte Meldungen dazu finden Sie auf der Homepage des Bundesministeriums für Gesundheit.
Mallorca-today.de: Wie kann man sich schützen?
Dr. Christoph König, Landessanitätsdirektor Salzburg: Durch Vermeiden der Exposition, wobei Sie in wenigen Wochen bis Monaten auch in Österreich das H1N1v Virus akquirieren können.
Mallorca-today.de: Sollte man Tamiflu tatsächlich vorsorglich einnehmen? Wie sieht es mit den Nebenwirkungen aus?
Dr. Christoph König, Landessanitätsdirektor Salzburg: Zur Tamifluprophylaxe gehen die Meinungen auseinander. International wird eher davon abgeraten, weil man eine raschere Reistenzentwicklung (Unwirksamwerden gegen Influenza A (H1N1)v) befürchtet. Die Wirksamkeit der Prophylaxe mit 1 Kapsel Tamiflu 75 mg wurde anlässlich der Vogelgrippewelle getestet. Sie ist nicht so gesichert wie der Therapieerfolg bei Auftreten der Grippe.
Für den Reisenden ist Tamiflu bzw. Relenza (anderer Einnahmemodus) das einzige mit gewisser Wahrscheinlichkeit wirksame Medikament gegen die Neue Influenza. Ein wichtige Rolle in der Prophylaxe nehmen die Händehygiene (nicht schütteln, oft waschen), der Verzicht auf engen Kontakt (Gefahr der Tröpfcheninfektion unter 1m Abstand bei längerem Beisammensein) und die Vermeidung von Menschenansammlungen ein. Eine Übertragung ist aber auch über Gegenstände und rohes Essen grundsätzlich möglich, wenn auch sicher seltener.
Mallorca-today.de: Wir bedanken uns ganz herzlich für das Email-Interview.
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